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‚Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses‘. Diskurse über die ‚Zierde des Hauses Gottes‘ im Kontext der monastischen Heiligung des Lebens

 

„L’image est devenue la forme plus commune de la présence du sacré“ –  die Feststellung, die Jean Wirth (L’image à l’époque romane, 103) hier für den westlichen, christlichen  Kontext des 12. Jahrhunderts trifft, lässt kaum erahnen, welche Spannungen, Widersprüche und Kontroversen diese absolut zutreffende Aussage begleiten. Heißt es im frühchristlichen Diskurs um Bilder, die Heiligkeit Gottes sei in einem materiellen Abbild nicht darstellbar, so wird hier behauptet, das Bild sei die gängige Form der Gegenwart des Heiligen geworden. Dagegen forderte gerade zu Beginn des 12. Jahrhunderts das zisterziensische Bilderverbot erneut zu einer differenzierten Reflexion über Bilder heraus, die sich, so die These des beantragten Projekts, über die Texte hinaus eben auch in Bildern selbst niedergeschlagen hat.

Ein Ziel des Projekts ist es, den scheinbaren Widerspruch zwischen der Akzeptanz von monumentalem Bilderschmuck in Sakralräumen und dem durch Bernhard von Clairvaux erneut intensivierten Bilddiskurs im 12. Jahrhundert aufzulösen. Brennpunkte des Konflikts sind die exklusiven Bereiche der Religiosen und der geistlichen Elite in den Kirchen (Chor, Altarräume, Kapellen, Krypten, u. a.) und in Klausurräumen (insbes. Kreuzgang, Kapitelsaal, Kapellen). Die Rechtfertigung von materiellen Bildern muss hier eine die monastische Bildung der Rezipienten berücksichtigende Wahrnehmung und Wirkung herausstellen, die anstelle der bildlichen Unterweisung in christlicher Lehre eben gerade auch mit der Heiligkeit der Religiosen und der monastischen Gemeinschaft bzw. ihrer Heiligung im klösterlichen Leben argumentiert. Entsprechend werden diese Bilder im Dispositiv von Klosterarchitektur und Ordensleben (Giorgio Agamben) betrachtet. Im Anschluss an Thomas Lentes und David Ganz wird das Sehen als Bildstrategie in expliziter Verbindung mit Sakralität exemplarisch in den Blick genommen.

In der Analyse der hoch komplexen architekturgebundenen Bilderfolgen wird versucht, eine Verknüpfung zwischen den anschaulichen Darstellungen von Heiligkeit und der spirituellen Vorstellung von Heiligkeit des Hauses Gottes und speziell der monastischen Gemeinschaft nachzuweisen und allgemein die  wechselseitigen Beziehungen der kirchlichen Reformbewegungen, des Bilddiskurses sowie der Bildprogramme mit der Forderung nach „Heiligkeit“ als angemessener Zierde des Hauses Gottes (Ps. 25,8 / 92,3) an einer Auswahl der bekannten Beispiele sakraler, monastischer Räume und Ausstattungskomplexe des 12. Jahrhunderts aufzuzeigen.

Das Teilprojekt leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Erkenntnisziel des Gesamtprojekts, die je verschiedenen text-, personen-, bild- und raumbezogenen sakralen Phänomene in ihrer historischen Dynamik und ihren diskursiven Interferenzen zu erschließen. Der kontrastierende Vergleich monastischer Askese, Bildmeditation, visionärer Erleuchtung, Ekstase in christlichen und nicht-christlichen Kulturen im Austausch innerhalb des Projektes verspricht eine Schärfung des spezifisch Christlichen, wohingegen der Nahvergleich mit orientalischen und byzantinischen sowie islamischen Bild-, Ästhetik- und Heiligkeitsdiskursen auch auf den damaligen kontrastierenden Austausch, insbesondere in den Grenz- und Kontakträumen rekurriert.

 

Projektleiterin: Prof. Dr. Heidrun Stein-Kecks

Mitarbeiterin: Laura Albers M.A.