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Predigt und geistliches Spiel. Zur theatralen Frömmigkeit im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit


Die religiöse Laiendidaxe bildet im späten Mittelalter eine Vielzahl an Ausdrucksformen und divergierenden Strategien aus, welche die Vermittlung heilsgeschichtlicher Vorgänge mittels narrativer und theatralischer Effekte bevorzugen. Im Predigtwesen der Zeit werden – besonders in reformatorischer Perspektive – Tendenzen einer Entsakralisierung beklagt, die allgemein im humanistischen Disput nachweisbar sind und die Glaubenskämpfe entscheidend bild tp kbelebeeinflusst haben. Im Vorfeld der Reformation treten Befürworter und Gegner brauchtümlicher Konventionen hervor und ringen in je unterschiedlicher Weise um eine theologisch angemessene Form der Massenunterweisung.

Noch deutlicher wird dieses Phänomen beim geistlichen Spiel. Die Grenze von Ritual und Repräsentation verschwimmt, was die Konzeption dieses Mediums beim Klerus immer wieder als zweifelhaft erscheinen lässt. Von der postulierten Intention heilsgeschichtlicher Vergegenwärtigung wird auf der Ebene der Handlungsführung oftmals abgewichen, so dass der eigentliche Zweck der memoria und compassio gefährdet, wenn nicht gar unterlaufen ist. Die damit einsetzende Profanierung des Heiligen eröffnet aber andererseits neue Möglichkeiten theatralischer Inszenierung, die neben einer gänzlichen Entwertung von Sakralität auch Formen entwickelt, die Glaubensinhalte neu vermitteln. In einigen Spieltexten zeichnet sich daher die Tendenz ab, dass die in der Forschung viel diskutierten ausufernden Szenen dem religiösen Zeitgeist wiederum angepasst und damit resakralisiert werden können. 

Ein vorrangiges Ziel des Projekts ist es, die vielfältigen Mechanismen der Interaktion von sakralen und profanen Darbietungsformen herauszuarbeiten, etwa indem nach der Funktion predigtartiger Elemente im geistlichen Spiel ebenso gefragt wird wie nach theatralen bzw. narrativen Einlagen in der Predigt. Darüber hinaus soll auch die grundsätzliche Frage erörtert werden, inwieweit Predigt und geistliches Spiel als die entscheidenden Massenmedien spätmittelalterlicher Laienunterweisung sich wechselseitig beeinflussen und substituieren konnten.

Projektleiterin: Prof. Dr. Susanne Köbele
Mitarbeiter: Markus Kitzberger, M.A.